Was ist Provider Management?
Markus Scherzer
Geschäftsführer
Die kurze Definition
Provider Management ist die Steuerung aller Anbieter, die zusammen die technische Grundlage eines Betriebs liefern. Der Carrier für die Standleitung, der Mobilfunkanbieter für das Backup, der Installateur vor Ort, der Telefonieanbieter, der Hardwarelieferant. Eine Stelle führt diese Anbieter, statt dass jeder für sich arbeitet und am Ende niemand für das Ergebnis geradesteht.
Der Begriff beschreibt eine Zuständigkeit, keine Software. Wer Provider Management einkauft, kauft jemanden, der die Verträge kennt, Termine treibt und im Störfall telefoniert.
Woran Sie den Bedarf erkennen
Drei Situationen, in denen Unternehmen regelmäßig merken, dass ihnen diese Stelle fehlt.
Ein Standort zieht um. Der Mietvertrag ist unterschrieben, und erst danach stellt sich heraus, welche Anbindung an der neuen Adresse verfügbar ist. Die Vorlaufzeit für eine Geschäftsleitung liegt je nach Lage bei mehreren Monaten.
Eine Leitung fällt aus. Der Standort meldet, dass nichts mehr geht. Der Carrier sagt, die Leitung sei in Ordnung. Der Router-Lieferant sagt, das Gerät sei in Ordnung. Zwischen diesen beiden Aussagen steht niemand, der das Gegenteil beweist.
Ein Vertrag läuft aus. Die Kündigungsfrist ist verstrichen, weil sie in einem Ordner stand, den seit dem Abschluss niemand geöffnet hat. Der Vertrag verlängert sich um zwölf Monate.
Das Muster ist in allen drei Fällen dasselbe. Technisch funktioniert jeder Anbieter für sich. Die Lücke liegt dazwischen.
Was die Arbeit umfasst
Beraten. Bedarf klären, bevor etwas bestellt wird. Welche Anbindung braucht der Standort wirklich, welche ist dort verfügbar, was kostet die Alternative.
Verhandeln. Angebote im Mandat vergleichen, einschließlich des Kleingedruckten: Bindungsdauer hinter der Aktion, zugesagte Entstörzeit, feste IP-Adresse, Preis nach Ablauf der Aktion.
Koordinieren. Beteiligte und Termine führen. Bei einer Umstellung sind das typischerweise Carrier, Elektriker, Hausverwaltung und die eigene IT, jeweils mit eigenen Vorlaufzeiten.
Betreiben. Dokumentieren, überwachen und nachhalten. Welche Leitung liegt wo, welcher Vertrag läuft wann aus, welche Störung hatte welche Ursache.
Die ersten beiden Punkte fallen projektweise an, die letzten beiden dauerhaft. Wer nur die ersten beiden einkauft, hat einen Berater. Wer alle vier einkauft, hat Provider Management.
Abgrenzung zu benachbarten Begriffen
Provider Management überschneidet sich mit vier etablierten Disziplinen. Die Unterschiede sind praktisch relevant, weil sie bestimmen, wen Sie ansprechen.
| Begriff | Fokus | Typische Größe | |
|---|---|---|---|
| SIAM (Service Integration and Management) | Integration vieler IT-Dienstleister in ein gemeinsames Prozessmodell | Konzerne, oft dreistellige Anbieterzahl | |
| Vendor Management | Einkaufsseite: Auswahl, Bewertung und Verhandlung von Lieferanten | Mittelstand bis Konzern, meist im Einkauf verankert | |
| Telecom Expense Management | Rechnungen und Verträge im Telekommunikationsbereich, Kostenkontrolle | Unternehmen mit hohen Telko-Volumina | |
| Managed Services | Der Anbieter betreibt den Dienst selbst | jede Größe | |
| Provider Management | Führung der bestehenden Anbieter über deren Grenzen hinweg, bis zum Ergebnis | Unternehmen mit mehreren Standorten und mehreren Carriern |
Der Unterschied zu Managed Services ist der wichtigste. Ein Managed-Service-Anbieter liefert den Dienst selbst und wird dadurch zum Anbieter, den jemand steuern muss. Provider Management bleibt anbieterunabhängig und behält die bestehenden Verträge, solange sie taugen.
Was Provider Management nicht leistet
Es ersetzt keine interne IT. Wer Anwendungen betreibt, Arbeitsplätze verwaltet und Anwender unterstützt, braucht dafür weiterhin Leute.
Es macht schlechte Anbindung nicht gut. Wo keine Leitung liegt, hilft Koordination nur beim Finden der nächstbesten Lösung.
Es ist keine Software, die man installiert. Ein Portal zeigt den Stand. Die Arbeit macht die Person, die nach dem Blick ins Portal zum Telefon greift.
Häufig gestellte Fragen
Ab welcher Größe lohnt sich Provider Management?
Die Schwelle liegt weniger bei der Mitarbeiterzahl als bei der Anzahl der Verträge und Standorte. Ein Unternehmen mit einem Standort und einer Leitung braucht keine eigene Steuerung. Ab mehreren Standorten mit unterschiedlichen Anbietern entsteht Koordinationsaufwand, der sonst ungeplant bei jemandem landet.
Müssen wir unsere Provider wechseln?
Nein. Ausgangspunkt sind die bestehenden Verbindungen und Verträge. Ein Wechsel ist eine mögliche Empfehlung, kein Bestandteil des Modells.
Wie unterscheidet sich das von einem Systemhaus?
Ein Systemhaus verkauft in der Regel auch Hardware und ist damit an bestimmte Hersteller gebunden. Ein Provider-Management-Dienstleister betreibt kein eigenes Netz und arbeitet mit allen großen Carriern. Bezahlt wird er über eine Provision des Carriers, bei dem die Leitung läuft. Weil das bei jedem Anbieter so ist, hängt der Verdienst an keinem bestimmten Carrier. Ausschlaggebend sind Verfügbarkeit am Standort, Qualität und der Gesamtpreis.
Ist Provider Management dasselbe wie Telecom Sourcing?
Telecom Sourcing ist die Beschaffung: Bedarf erheben, ausschreiben, Angebote der Carrier vergleichen, verhandeln, abschließen. Provider Management umfasst diesen Schritt und geht danach weiter: Bestand pflegen, Störungen eskalieren, SLAs einfordern, Verträge vor der Verlängerung neu verhandeln. Reines Sourcing endet mit der Vertragsunterschrift.
Wer haftet, wenn etwas ausfällt?
Die vertraglich zugesagten Entstörzeiten bleiben beim jeweiligen Carrier. Provider Management sorgt dafür, dass diese Zusagen eingefordert und dokumentiert werden.